2017 Pressemitteilungen

Stellungnahme 657-02 "Positionspapier Inklusion"

Die Elternkammer beschließt in ihrer Sitzung am 17. Januar 2017 folgendes „Positionspapier Inklusion“:

”Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte fordert, dass Bildung auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein muss. Eines der wichtigsten Ziele der UNESCO ist, dass alle Menschen weltweit Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung erhalten und ihre Potenziale entfalten können. Dieser menschenrechtliche Anspruch ist universal und gilt unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sozialen oder ökonomischen Voraussetzungen, Behinderung oder besonderen Lernbedürfnissen.”

(Verabschiedet auf dem Gipfel "Inklusion – Die Zukunft der Bildung" der Deutschen UNESCO-Kommission März 2014.)

Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention wurde ein normativer Rahmen geschaffen, deren Umsetzung ein Meilenstein für die Bildungslandschaft in Deutschland sein kann. Seither hat sich in Hamburg viel getan auf dem Weg zur Inklusion. Dies sind aber bisher nur erste Schritte, die konsequent in Zielrichtung einer möglichst guten Bildung für ALLE Kinder weiter verfolgt werden müssen.

Die Elternkammer unterstützt die Resolution des Bundeselternrates zu Aspekten gelingender Inklusion im vollen Umfang. Dort heißt es u.a.:

”Durch die Verpflichtung zur Inklusion im Bildungssystem wird der gesamtgesellschaftliche Prozess der gleichberechtigten Teilhabe enorm befördert. Inklusion ist in allen Schulformen möglich und durch praktische Erfahrungen werden Schranken in den Köpfen abgebaut. Da jedes Kind individuell nach seinen Bedürfnissen bestmöglich zu fördern ist, sind alle Kinder Inklusionskinder. Die Entwicklung zu einer inklusiven Gesellschaft wird nie abgeschlossen sein, alle profitieren davon. Im gemeinsamen Unterricht werden Kinder selbst Teil der gegenseitigen Unterstützung. Unser Bildungssystem ist grundsätzlich in der Lage, diese Herausforderung anzunehmen. Um diese zu meistern ist die Unterstützung und Haltung der Pädagogen und Eltern im notwendigen Wandlungsprozess von entscheidender Bedeutung. Aus der inklusiven Vielfalt an den Bildungseinrichtungen erwächst eine immer stärkere Partizipation aller Menschen an der Gesellschaft.”

Um diese Partizipation in Schule sicher zu stellen, fordert die Elternkammer daher:

  • Inklusion muss alle Schulen und Schulformen einschließen.
  • Das Elternwahlrecht muss bestehen bleiben.
  • Diagnostische Profile (Förderschwerpunkte) aller Kinder müssen in jeder Schulform hinreichend berücksichtigt werden.
  • Die Chance auf inklusiven Unterricht für jedes Kind muss unabhängig vom Engagement und den Möglichkeiten der Eltern möglich sein.
  • Eltern müssen durch unabhängige, barrierefreie und individuelle Beratungsangebote in die Lage versetzt werden, den passenden Lernort und damit die passende Schulform für ihr Kind zu wählen.
  • Die Abschaffung der Unterteilung in Sonderschulen mit dem Förderschwerpunkt körperlich motorische Entwicklung und Sonderschulen mit dem Förderschwerpunkt geistige Förderung.
  • Einführung von Bildungsplänen ab Schuljahr 2017/2018 in allen Hamburger Sonderschulen.
  • Möglichkeit der Erlangung von Bildungsabschlüssen (ESA und MSA) an allen Sonderschulen.
  • Eine Umsetzung der Inklusion ohne Ressourcenvorbehalt und deren regelmäßige Evaluation.
  • Bestehende Vorbehalte und Probleme bei der Beschulung der Kinder müssen ernstgenommen und durch Kommunikation, Handeln und Begegnungen zwischen Eltern, Lehrern und Schülern in all ihrer Vielfalt aufgelöst werden.
  • Ein ständiges Mitdenken für ALLE Schülerinnen und Schüler, egal wie begabt oder herausfordernd es ist. Jedes Kind muss entsprechend seines Potentials individuell beschult werden.

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Pressemitteilung der Elternkammer Hamburg

In Ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr am 17. Januar 2017 hat sich die Elternkammer Hamburg einen neuen Vorstand gewählt.

Die Mitglieder:

Als Beisitzer wurde Oliver Triquart gewählt. Der Spezialist für Öffentlichkeitsarbeit und stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für „Lernen im Netz“ stieß bereits im alten Jahr zum Vorstandsteam; er wurde für Lili Gries nachgewählt, die aus dem Team ausscheiden musste. Oliver Triquart wurde aus seinem KER 42 (Eppendorf) für die Grundschulen in die Elternkammer delegiert.

Neuer Schriftführer ist Axel Dreyer. Abgeordnet aus dem Kreiselternrat 61 (Bergedorf), engagiert sich Axel Dreyer sehr für das Thema Inklusion. Er setzt sich dafür ein, dass jedes Kind, unabhängig von seinen individuellen Stärken oder Herausforderungen, Zugang zur bestmöglichen Bildung bekommt. Axel Dreyer ist für die Gymnasien in die Elternkammer delegiert.

Zur stellvertretenden Schriftführerin wurde Claudia Wackendorff aus dem Kreiselternrat 72 (Wilhelmsburg-Veddel) gewählt. Für Claudia Wackendorff ist die Arbeit im Vorstand der Elternkammer nicht neu, sie war im Jahr 2014 die Vorstandsvorsitzende der Elternkammer. Die engagierte Mutter, die für die Gymnasien in die Kammer delegiert wurde, organisiert unter anderem seit einigen Jahren die Beteiligung der Elternkammer am Hamburger Familientag. Da zwei ihrer drei Kinder an einer Stadtteilschule beschult werden, setzt sie sich auch für diese Schulform ein.

Als Finanzvorstand bestätigte die Elternkammer Thomas Koester, der seit drei Jahren mit sehr viel Erfahrung und Geschick die Finanzen der Elternkammer verwaltet. Thomas Koester, der aus dem Kreiselternrat 52 (Alstertal, Walddörfer) kommt, wurde für die Grundschulen in die Elternkammer delegiert.

Stellvertretende Vorsitzende ist – wie im vergangenen Jahr – Antje Müller, die zusammen mit dem neuen/alten Vorsitzenden Marc Keynejad aus dem Kreiselternrat 22 (Altona) in die Elternkammer für die Gymnasien delegiert wurde.

Beide stellten den Delegierten der Elternkammer noch auf der Wahlsitzung die wichtigsten Punkte, für die sie in diesem Jahr arbeiten wollen, vor.

Themen wie Schulstruktur, Inklusion, Anmeldeverfahren, Bildungsübergänge und Profilierung von Schulen werden die Elternkammer im kommenden Jahr intensiv bewegen.

Ganz oben auf der Agenda soll allerdings die Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Elternvertretungen der Schulen stehen. Noch viel mehr als in der Vergangenheit soll die Behörde mit Feedback, Meinungen aber auch Anregungen aus der Elternschaft versorgt werden. Noch schneller umfangreicher sollen Eltern über die Arbeit der Elternkammer informiert werden.

Der Vorstand sieht einen wichtigen Schwerpunkt darin, Chancen und Aufgaben, die durch die Digitalisierung des Lernens auf unsere Schulgesellschaft zukommen, intensiv zu erarbeiten. Aus Sicht von Antje Müller und Marc Keynejad muss Schule sich nun dringend auf dieses Thema einlassen, von nationalen und internationalen Erfahrungen profitieren und eigene Erfahrungen machen.

Der Vorstand dankt den ausgeschiedenen Vorstands-Mitgliedern für ihr Engagement und freut sich, dass sie sich – bis auf Lili Gries, die die Elternkammer verlassen hat - weiterhin in der Elternkammer für Hamburgs Schüler einsetzen. Einen besonderen Dank möchte der neue Vorstand hier Frau Miriam Colombo aussprechen, die der Elternkammer seit vielen Jahren angehört und fünf Jahre hiervon im Vorstand aktiv an der Hamburger Schulpolitik mitgewirkt hat.


Die Elternkammer ist über das Ergebnis des Probeabis Mathematik besorgt

Der Vorstand der Elternkammer Hamburg hat in einem eilig einberufenen Krisengespräch mit dem Schulsenator seiner Besorgnis über das schlechte Abschneiden der Hamburger Schüler bei der Vor-Abitur-Mathe-Klausur Ausdruck verliehen.

Die ermittelte Durchschnittsnote von 3,9 (ca. 5 Punkte) hatte den Senator veranlasst, die Ergebnisse um jeweils eine Note anzuheben. Darüber hinaus war den Schulen eine Reihe von Sofortmaßnahmen aufgegeben worden, um die Wahrscheinlichkeit besserer Abschlussnoten in Mathematik zu erhöhen.

Die, von dem Klausurergebnis und dem Umgang damit ausgehende Verunsicherung der Schulöffentlichkeit hält die Elternkammer für verheerend. Schülerinnen und Schüler bekommen zurückgemeldet, dass sie in diesem Fach nur zu schwachen Leistungen fähig seien, Eltern sind in Sorge um die Abschlüsse ihrer Kinder und Lehrerinnen und Lehrer sehen sich dem Vorwurf schlechter Vorbereitung ausgesetzt. Schülerinnen und Schülern muss nun dringend die Zuversicht vermittelt werden, dass sie eine faire Chance auf einen angemessen guten Abschluss haben können.

Die Umstände, die zu diesem Ergebnis geführt haben, sind indes bis heute nicht vollständig geklärt. Wie Herr Rabe verlauten ließ, sei Hamburg das einzige Bundesland, das für das in diesem Jahr erstmalig in dieser Form geschriebene Zentralabitur eine Generalprobe durchgeführt hat.

Die für das Vorabitur verwendeten Aufgaben kamen nicht aus dem offiziellen Aufgabenpool, sondern wurden von Hamburger Mathematikern eigens für die Prüfung entwickelt. In Komplexität und Umfang sollten sie den Originalaufgaben entsprechen. Die Beispielaufgaben, die im vergangenen Jahr zur Vorbereitung ausgegeben wurden, kamen sowohl aus dem IQB als auch aus Hamburg.

Die von Mitgliedern der Kammer eingeholten Rückmeldungen einzelner Schulen zeigen mögliche Problemfelder auf. Dass die Klausur insgesamt zu schwierig gewesen sein sollte, stand nicht im Zentrum der Kritik. Einhellige Meinung war jedoch, dass die Arbeit zu umfangreich für die zur Verfügung stehende Zeit war. Ferner monierten viele, dass die Art und sprachliche Ausgestaltung der Aufgabenstellungen zu sehr von denen der von der Behörde zur Verfügung gestellten Übungsaufgaben abwichen. Die Klausur war auf die Lerninhalte aller vier Oberstufensemester angelegt, allerdings wurde sie bereits zum Ende des dritten Semesters geschrieben.

Die Elternkammer forderte die Schulbehörde auf, die Ursachen, die zu diesem schwachen Ergebnis geführt haben, jetzt umgehend zu analysieren. Wir müssen verstehen, woran das schwache Abschneiden gelegen hat. Dass die Qualität und die Ausrichtung des Mathematikunterrichts in Hamburg über die aktuelle Problemlage hinaus einer gründlichen Analyse bedürfen, belegen Vergleichsstudien seit längerem. Jedoch ist in dieser Situation ein Pauschalvorwurf, Hamburgs Abiturientinnen und Abiturienten könnten bundesweit nicht mithalten, weder angemessen noch hilfreich.

Aus Sicht der Elternkammer kann mehr Mathematikunterricht nicht die einzige Antwort auf die Probleme sein. Die Verwendung der Ferienzeit für Unterricht nimmt aus Sicht der Kammer vielen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit sich ihre Vorbereitungszeiten selber einzuteilen. Wichtig ist auch, dass vermehrte Mathematikstunden bei Abiturienten nicht zu einer Unterversorgung anderer Stufen mit Mathematikunterricht führen dürfen.

Die von Herrn Rabe zugesagte Suche nach den Ursachen wird die Elternkammer Hamburg auch künftig eng begleiten. Vor allem aber wird die grundsätzliche Befassung der Behörde mit dem Fach Mathematik ein wichtiges Thema der Arbeit der Elternkammer bleiben.

Für unsere Kinder wird auch künftig ein Spaß an der Mathematik der Schlüssel zum Erfolg sein!

Kontakt:
Marc Keynejad (Vorsitzender der Elternkammer Hamburg)
Rückfragen: Marc Keynejad 0178-4911998

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