Demo für einen besseren Ganztag

Wann: 08. Mai 2014 um 17:30 ab Theodor-Heuss-Platz

Mitstreiter der Elternkammer treffen sich um 17:15 am Bahnhof Dammtor (Ausgang zum Bus).

Wohin: zum Gänsemarkt; dort startet um 18 Uhr die zentrale Kundgebung mit Musik, Spielständen für die Kinder etc.

Warum: Wir wollen Ganz Tolle Schulen und Ganz Besondere Schulen

Wichtig: Kommt bitte alle mit Warnwesten, damit wir auch schön auffallen!

Sonst noch was? An die Demo gekoppelt ist eine Postkartenaktion. Die Postkarten wurden an die GBS-Standorte gegeben. Wir bieten hier ein Dokument zum Ausdrucken und Selbstbasteln einer Postkarte an. Auf dieser Postkarte stehen Dinge, die wir uns für bessere Ganztagsschulen wünschen.

  • Mehr Zeit und individuelle Zuwendung für alle Kinder durch Doppelbesetzung in jeder Klasse und Gruppe.
  • Mehr Stunden für die Gruppenerzieher/-innen, um eine bessere Verzahnung von Vor- und Nachmittag zu erreichen.
  • Mehr (als Klassen-)Räume zum Entdecken und Spielen, mehr kindgerechte Möbel.
  • Essen und Getränke für den ganzen Tag - frisch zubereitetes Essen am Mittag.

Und es gibt noch Platz für eigene Wünsche. Das Ganze geht dann an den Hamburger Bürgermeister.

 

 

Bericht von der Demo

Am 08.05.2014 sind trotz schlechtem Hamburger Wetters ca. 500 Kinder, Eltern, ErzieherInnen und LehrerInnen dem Aufruf zur Demonstration für gute Ganztagsschulen gefolgt.

Bericht des NDR Hamburg-Journals (Danke dem NDR)

Rede des Elternkammervorsitzenden Gerrit Petrich

Gerrit Petrich (Elternkammervorsitzender)
Gerrit Petrich (Elternkammervorsitzender)

Liebe Eltern, liebe Schüler, liebe Erzieher und Lehrer,

(mein Name ist Gerrit Petrich, ich bin Vorsitzender der Elternkammer Hamburg)

die Elternkammer Hamburg begleitet die Weiterentwicklung der ganztägigen Bildung und Betreuung seit im Schuljahr 2010/11 die ersten Piloten das GBS-System erprobten.

Wir haben schon im Jahre 2011 auf notwendige Gelingensbedingungen hingewiesen, und die Einführung kritisch, aber konstruktiv begleitet. Manche unserer Forderungen, wie zB. eine soziale Staffelung der Elternbeiträge für Rand- und Ferienzeiten, eine Kooperationspauschale für die Vernetzung von Vor- und Nachmittag, und eine verlässliche Randzeitenbetreuung, wurden nach der Pilotphase und deren Evaluierung umgesetzt.

Seitdem aber haben wir keine qualitativen Verbesserungen mehr erreicht.

Die Problemfelder Gruppengröße bei Vorschulkindern, nachmittägliche Essensversorgung, Reinigung und Verzahnung von Vor- und Nachmittag stagnieren auf dem Niveau von 2012.

Im April 2013 hat Schulsenator Rabe gesagt, dass er an GBS-Standorten dieselbe Betreuungsqualität bieten möchte, wie bisher durch die Horte. Von der Einlösung dieses Versprechens ist er noch ein gutes Stück entfernt, und wir Eltern werden ihn weiterhin daran erinnern. 

Der Schulsenator behauptet, die flächendeckende Einführung des Ganztags ist gelungen, weil so viel mehr Kinder daran teilnehmen, als im Hort.

Ich sage: er verwechselt Quantität mit Qualität. Die Eltern wählen die Ganztagsbetreuung an Hamburger Grundschulen nicht an, weil sie so toll ist, sondern weil sie in Wahrheit keine Wahl mehr haben. Die Lebenswirklichkeit vieler Familien erfordert ein Ganztagsangebot. Es ist niemandem zu erklären, warum 3-5jährige Kinder 8 Stunden am Tag in eine Kita gehen können, und dort wie selbstverständlich Mittag essen, und mit Beginn der Schulpflicht um 13 Uhr nach Hause gehen, und dort von Mama oder Papa oder Oma, Opa, Tante, Onkel bekocht werden müssen.

Es ist niemandem zu vermitteln, warum Eltern nachmittags als Hilfslehrer zusammen mit den Kindern an den Hausaufgaben verzweifeln sollen, und keine qualitative Hilfestellung durch die Lehrkräfte und keine Rückmeldung an die Lehrkräfte möglich ist. 

Ganztagsschulen helfen hier den Familien, indem sie ihnen Arbeit abnehmen.

Aber wenn die Kinder nachmittags nach Hause kommen, weil die Abstimmung zwischen Lehrern und Hausaufgabenbetreuung nicht klappt – bei der aktuellen Ausstattung nicht klappen kann – dann ist niemandem geholfen.

Deswegen brauchen wir mehr Mittel für die Kooperation zwischen den Vor- und Nachmittagskräften, um eine wichtige Aufgabe von Ganztagsschulen erfüllen zu können – die Entwicklung von Hausaufgaben zu Schulaufgaben. 

Und wir brauchen mehr Mittel für die Kooperation nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Erzieher. Mit täglich drei Stunden ist keine auskömmliche Beschäftigung möglich – wir brauchen die vierte Stunde auch, um den Erzieherinnen und Erziehern eine auskömmliche Arbeit zu bieten. Das würde sich auf Arbeitszufriedenheit und Fluktuation bessernd auswirken, im Sinne aller – auch unserer Kinder.

Der Schulsenator weist daraufhin, dass das System GBS teurer sei, als GTS. Wir als Elternkammer wollen die beiden Systeme nicht gegeneinander ausgespielt sehen – wir wollen, dass die Schulen vor Ort sich für das eine oder andere System entscheiden können, weil es ihnen Vorteile in ihrer ganz speziellen regionalen Situation vor Ort besser hilft. Daher fordern wir auch für GTS-Schulen eine Kooperationspauschale – denn auch dort sind Jugendhilfeträger engagiert, die zB. die Rand- und Ferienbetreuung übernehmen – auch hier muss eine Kooperation stattfinden. Ein System darf nicht schlechter gestellt sein, als das andere.
Eltern, und Schulen, müssen sich aus rein pädagogischen Gründen für das eine oder andere Modell entscheiden können.

Ein ungelöstes Problem, dass beide Organisationsformen gleichermaßen betrifft, ist die unzureichende Mittelzuweisung für die Reinigung. Wenn Kinder nicht nur vormittags, sondern auch am Nachmittag vor Ort sind, und wenn sie dort zwischendurch Essen, muss es eine Anpassung der Reinigungspauschale an die Anwesenheitszeiten geben. Bei einer Ganztagsschule reicht es nicht mehr, dass eine Raumpflegerin mal alle zwei Tage durch die Klasse fegt, und an den anderen Tagen die Toiletten saubermacht. Es ist mir ein völliges Rätsel, wieso hier noch nicht nachgesteuert wurde. 

Das gleiche gilt für die Gruppengröße für Vorschulkinder. Wer wie ich, Vorschüler nachmittags schlafend aus den Klassenräumen getragen hat, wird nachvoll-ziehen können, dass bereits ein 5stündiger Schultag in einer Gruppengröße von 20 Kindern für 6jährige Kinder Anstrengung genug bedeutet, und versteht, dass verantwortungsvolle Jugendhilfeträger Mittel umschichten, um die Gruppengröße von Vorschülern am Nachmittag zu verringern.
Zurzeit wird in der Stadt diskutiert, ob man 40 bis 80 Millionen Euro lockermacht, um den Stress der Gymnasiasten zu reduzieren.

Die Reduzierung der Gruppengröße von Vorschulgruppen kostet wesentlich weniger, würde aber dafür sorgen, dass Kinder Schule nicht von Anfang an als Stress erfahren.

Die Elternkammer hält die Modelle von GBS und GTS für gleichrangig, und möchte beide Angebote in der Stadt für die Eltern sehen. Die Einbeziehung der Jugendhilfeträger, wie auch ein Angebot aus einer Hand haben Vor- und Nachteile, die am besten von den Betroffenen vor Ort abgewogen und entschieden werden sollten. 

Aber eine zu geringe Finanzierung dieser Systeme gefährdet letztlich die Ziele, die man mit dem Ganztagsschulausbau eigentlich erreichen möchte: Bildungsgerechtigkeit in der Stadt.

Für dieses Ziel stehen wir heute hier – für ganz besondere Schulen und für ganz tolle Schulen.

Und wir werden nicht leiser werden – vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit.

Die Rede als PDF-Datei