Die Elternkammer Hamburg kritisiert die aktuelle Pilotierung der Schulinspektionen durch die Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB) scharf.
Nach den vorliegenden Informationen sollen Eltern und Sorgeberechtigte im 4. Zyklus der Schulinspektion nicht mehr systematisch beteiligt werden. Aus Sicht der Elternkammer ist dies ein deutlicher Rückschritt für Transparenz, Mitwirkung und demokratische Schulentwicklung. Die Schulinspektion hat den Auftrag, die Qualität von Bildung und Erziehung umfassend zu bewerten. Wer dabei die Perspektive der Eltern ausblendet, verzichtet bewusst auf einen wesentlichen Teil der schulischen Realität.
„Es ist bemerkenswert, dass ausgerechnet in einer Zeit, in der Partizipation und demokratische Bildung immer wieder als zentrale Ziele benannt werden, Eltern bei einem der wichtigsten Instrumente der schulischen Qualitätsentwicklung außen vor bleiben sollen“, erklärt Simone Kohl, Vorsitzende der Elternkammer Hamburg.
Die Behörde begründet den Schritt unter anderem mit zu geringen Beteiligungsquoten bei Elternbefragungen. Diese Argumentation überzeugt die Elternkammer nicht. Wenn Beteiligung nicht ausreichend gelingt, müsse gemeinsam mit den betroffenen Eltern und ihren gewählten Interessenvertretungen nach Ursachen und Lösungen gesucht werden. Stattdessen werde die Elternperspektive nun vollständig aus dem Verfahren entfernt.
„Wer Schulqualität bewerten will, kann die Perspektive der Eltern nicht einfach streichen. Das ist keine Weiterentwicklung der Schulinspektion, sondern ein Abbau von Beteiligung. Entweder macht man es sich erschreckend leicht oder bestimmte Stimmen sollen gar nicht mehr gehört werden. Beides wäre problematisch“, so Kohl weiter.
Besonders kritisch sieht die Elternkammer darüber hinaus, dass sie selbst als gesetzlich verankerte Interessenvertretung der Hamburger Eltern nicht in die Überlegungen zur Neugestaltung der Schulinspektion einbezogen wurde. Nach Auffassung der Elternkammer betrifft die Ausgestaltung der Schulinspektion unmittelbar Fragen von Unterricht, Erziehung und schulischer Qualitätsentwicklung und fällt damit in ihren gesetzlichen Aufgabenbereich.
Die Elternkammer hält es daher für problematisch, dass eine derart grundlegende Veränderung eines zentralen Instruments der Schulentwicklung offenbar ohne ihre Beteiligung vorbereitet wurde. Dies steht aus Sicht der Elternkammer in einem deutlichen Spannungsverhältnis zu dem Anspruch, schulische Qualitätsentwicklung transparent, partizipativ und unter Einbeziehung der gesetzlich vorgesehenen Mitwirkungsgremien zu gestalten.
Damit stellt sich auch die grundsätzliche Frage, auf welcher fachlichen und wissenschaftlichen Grundlage entschieden wird, dass eine vollständige Bewertung von Schule ohne die Sicht der Eltern möglich sein soll.
Die Elternkammer erinnert daran, dass Elternbefragungen seit Einführung der Schulinspektion ausdrücklich Bestandteil der vorgesehenen Datengrundlage
waren. Gleichzeitig beobachtet sie seit Jahren eine schrittweise Abnahme der
Transparenz: Berichte wurden verkürzt, vollständige Fassungen sind regelmäßig nicht öffentlich zugänglich und schulische Mitwirkungsgremien erhalten häufig nur eingeschränkte Einblicke.
Gerade vor dem Hintergrund des Ende 2025 ausgelaufenen Hamburger Schulstrukturfriedens gewinnt diese Entwicklung besondere Bedeutung. Wenn ein
zentrales Stabilitätsversprechen der Hamburger Schulpolitik nicht verlängert
wird, braucht es umso mehr Transparenz, Verlässlichkeit und echte Beteiligung
in den bestehenden Instrumenten der Qualitätsentwicklung. Wer in dieser Situation ausgerechnet die Elternperspektive aus der Schulinspektion herausnimmt,
sendet das falsche Signal.
„Elternbeteiligung ist kein optionales Extra. Sie ist gesetzlich gewollt, demokratisch notwendig und ein wesentlicher Bestandteil guter Schulentwicklung. Wer sie beschneidet, schwächt nicht nur die Schulinspektion, sondern beschädigt langfristig auch das Vertrauen in das Bildungssystem“, erklärt Kohl.
Die Elternkammer Hamburg fordert die Schulbehörde daher auf, die Elternperspektive wieder unverzüglich in die Schulinspektion einzubeziehen und die Transparenz der Verfahren zu stärken.
Der Vorstand für die Elternkammer Hamburg
