Inklusion braucht Unterstützung – Elternkammer Hamburg fordert Aussetzung geplanter Änderungen bei der Schulbegleitung 

Die Elternkammer Hamburg sieht die von der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung geplanten Änderungen bei der Organisation der Schulbegleitung mit großer Sorge. Aus Sicht der Elternvertretung besteht die Gefahr, dass notwendige Unterstützungsleistungen künftig später oder nicht mehr bedarfsgerecht zur Verfügung stehen. 

Die geäußerten Bedenken werden inzwischen auch von Fachverbänden geteilt. So hat der Paritätische Wohlfahrtsverband Hamburg die Schulbehörde öffentlich aufgefordert, die geplanten Änderungen auszusetzen und einen Beteiligungsprozess mit Trägern, Eltern, Fachkräften und Schulen einzuleiten. 

Besonders kritisch bewertet die Elternkammer die vorgesehene Regelung, wonach vakante Schulbegleitungsstellen künftig nicht mehr durch höher qualifiziertes Personal kompensiert werden sollen. Wenn keine passende Schulbegleitung gefunden wird, sollen Kinder und Jugendliche stattdessen mit den vorhandenen Ressourcen derselben Kategorie versorgt werden – unabhängig davon, ob dies ihrem tatsächlichen Unterstützungsbedarf entspricht. 

Aus Sicht der Elternkammer widerspricht dieser Ansatz dem Grundgedanken inklusiver Bildung. Unterstützung darf nicht erst einsetzen, wenn Schwierigkeiten über Monate hinweg sichtbar geworden sind. Sie muss frühzeitig und präventiv erfolgen, damit Teilhabe gelingen kann. 

Wer Inklusion ernst meint, darf Unterstützung nicht erst dann gewähren, wenn Kinder bereits ein Jahr lang schlechte Erfahrungen gemacht haben. Förderung muss präventiv erfolgen und nicht erst dann, wenn Probleme eskalieren. Ein verlorenes Schuljahr lässt sich für betroffene Kinder nicht nachholen. Es bedeutet verlorene Teilhabe- und Bildungschancen.“ erklärt Simone Kohl, Vorsitzende der Elternkammer Hamburg. 

Bereits heute berichten Eltern von langen Wartezeiten, Personalmangel und fehlenden Schulbegleitungen. Die nun angekündigten Änderungen drohen diese Situation weiter zu verschärfen. Besonders betroffen sind Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die auf verlässliche Unterstützung angewiesen sind, um erfolgreich am Unterricht teilnehmen zu können. 

Die Elternkammer erinnert daran, dass Schulbegleitung kein Zusatzangebot und kein Luxus ist. Für viele Kinder ist sie die Voraussetzung dafür, überhaupt am Schulalltag teilnehmen zu können. 

„Die Behörde spricht von einer Weiterentwicklung des Systems. Viele Eltern erleben jedoch die Sorge, dass notwendige Hilfen künftig schwerer erreichbar werden. Wer bei Unterstützung spart, spart am falschen Ende – und gefährdet Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen“, so Kohl weiter. 

Die Elternkammer Hamburg unterstützt deshalb ausdrücklich die Forderung nach einem transparenten Beteiligungsprozess unter Einbeziehung von Eltern, Fachverbänden, Trägern und Schulen. 

Darüber hinaus ist eine schnelle Entscheidung erforderlich. Viele betroffene Familien stehen kurz vor den Sommerferien vor großer Unsicherheit. Sie wissen nicht, welche Unterstützung ihre Kinder im kommenden Schuljahr erhalten werden. 

Die geplanten Änderungen müssen jetzt ausgesetzt werden. Familien brauchen Planungssicherheit und dürfen nicht mit existenziellen Fragen zur schulischen Unterstützung ihrer Kinder in die Sommerferien geschickt werden“, betont Kohl. 

Die Elternkammer Hamburg fordert die Schulbehörde auf, 

  • die geplanten Änderungen auszusetzen, 
  • die Auswirkungen auf die Teilhabe von Schülerinnen und Schülern transparent darzulegen, 
  • sicherzustellen, dass notwendige Schulbegleitungen weiterhin bedarfsgerecht und zeitnah bewilligt werden, 
  • Elternvertretungen, Fachverbände, Träger und Schulen in die weitere Ausgestaltung einzubeziehen, 
  • den individuellen Unterstützungsbedarf der Kinder zum Maßstab aller  Entscheidungen zu machen. 

Inklusion gelingt nicht durch zusätzliche Verwaltungsverfahren oder neue Hürden. Inklusion gelingt durch ausreichende Ressourcen, qualifiziertes Personal und die Bereitschaft, jedem Kind die Unterstützung zu geben, die es benötigt. 

Der Vorstand 

Elternkammer Hamburg 

PDF download

Nach oben scrollen