Schulstart 2026/27: Neues Schuljahr – alte Baustellen dürfen nicht mit eingeschult werden
Elternkammer Hamburg fordert zum Schuljahresbeginn Verlässlichkeit, Beteiligung und klare Prioritäten für Hamburgs Schulen
Die Sommerferien sind vorbei, die Klassenzimmer füllen sich wieder. Für tausende Hamburger Schülerinnen und Schüler beginnt ein neues Schuljahr – für viele sogar ein ganz neuer Lebensabschnitt.
Die Elternkammer Hamburg wünscht allen Kindern und Jugendlichen, ihren Familien und allen Beschäftigten an den Schulen einen guten Start.
Doch während Schülerinnen und Schüler mit neuen Stundenplänen, neuen Klassen und hoffentlich viel Neugier beginnen, sind zahlreiche Probleme aus dem vergangenen Schuljahr noch immer nicht gelöst.
„Kinder starten neu. Viele der Probleme leider nicht. Wir erwarten deshalb, dass dieses Schuljahr nicht von Kürzungen, Unsicherheit und kurzfristigen Entscheidungen geprägt wird, sondern von Verlässlichkeit. Bildungspolitik muss sich daran messen lassen, was tatsächlich bei den Kindern in den Schulen ankommt.“, sagt Simone Kohl, Vorsitzende der Elternkammer Hamburg.
Schulbegleitung: Inklusion braucht Verlässlichkeit
Besonders kritisch begleitet die Elternkammer weiterhin die geplanten Veränderungen bei der Schulbegleitung.
Die vor den Sommerferien angekündigten Anpassungen haben bei vielen Familien erhebliche Unsicherheit ausgelöst. Kinder mit Unterstützungsbedarf brauchen keine Systeme, deren Auswirkungen erst im laufenden Schulbetrieb sichtbar werden. Sie brauchen verlässliche Unterstützung vom ersten Schultag an.
Die Elternkammer fordert weiterhin transparente Verfahren, nachvollziehbare Entscheidungen, funktionierende Härtefallregelungen und vor allem eine frühzeitige Beteiligung von Eltern und Schulen.
Inklusion darf nicht davon abhängen, wie gut Familien kämpfen, Anträge formulieren oder sich durch Zuständigkeiten arbeiten können.
Sparen darf nicht im Klassenzimmer beginnen
Der finanzielle Druck auf Hamburgs Bildungssystem wird das neue Schuljahr begleiten.
Dabei erleben Schulen bereits heute Personalmangel, steigende Anforderungen, zunehmenden Unterstützungsbedarf und eine hohe Belastung der Beschäftigten. Gleichzeitig benötigen Ganztag, Inklusion, Schulsozialarbeit und multiprofessionelle Teams langfristige Planungssicherheit.
Besonders kritisch sieht die Elternkammer Veränderungen, die zwar haushalterisch oder organisatorisch sinnvoll erscheinen mögen, vor Ort aber zu weniger Flexibilität führen.
Das gilt auch für geplante Veränderungen im Ganztagsbereich.
Eine rechnerisch ausgeglichene Tabelle ist noch keine gute Schule. Entscheidend ist, ob genügend Menschen, Zeit und Ressourcen bei den Kindern ankommen.
Klassengrößen und Personal: Qualität braucht Grenzen
Lehrkräftemangel und Fachkräftemangel dürfen nicht dauerhaft durch größere Lerngruppen, Mehrbelastung des vorhandenen Personals oder organisatorische Notlösungen kompensiert werden.
Je heterogener eine Klasse ist, desto wichtiger sind ausreichende personelle Ressourcen und gute Rahmenbedingungen.
Die Elternkammer erwartet deshalb eine ehrliche Diskussion darüber, welche Klassengrößen pädagogisch sinnvoll sind – und welche personelle Ausstattung Schulen tatsächlich benötigen.
Schulschwimmen: Der Weg zum Unterricht gehört mitgedacht
Vor den Sommerferien hat die Elternkammer Rückmeldungen aus zahlreichen Schulen zu den Transportwegen zum Schulschwimmen gesammelt.
Die Berichte zeigen: Wenn erhebliche Teile der Unterrichtszeit für Hin- und Rückwege verloren gehen oder die Organisation vor Ort kaum leistbar ist, muss das System überprüft werden.
Schwimmen zu lernen ist für Kinder keine Nebensache, sondern eine Frage von Bildung, Teilhabe und Sicherheit.
Hamburg muss deshalb sicherstellen, dass Schulschwimmen nicht nur auf dem Stundenplan steht, sondern organisatorisch auch tatsächlich funktioniert.
Elternbeteiligung darf nicht erst stattfinden, wenn Entscheidungen gefallen sind
Mehrere Themen des vergangenen Schuljahres haben aus Sicht der Elternkammer erneut gezeigt, wie wichtig eine frühzeitige und ernsthafte Beteiligung der schulischen Gremien ist.
Ob Schulbegleitung, Schulinspektion, strukturelle Veränderungen oder neue Verfahren: Beteiligung darf kein nachträglicher Informationsschritt sein.
Die Elternkammer erwartet, dass gesetzlich vorgesehene Beteiligungsrechte konsequent eingehalten werden und Elternvertretungen Informationen so rechtzeitig erhalten, dass Mitwirkung tatsächlich möglich ist.
Dazu gehört auch eine verlässliche Weitergabe der Kontaktdaten gewählter Elternvertretungen. Wer Beteiligung will, muss zunächst dafür sorgen, dass die gewählten Strukturen überhaupt miteinander kommunizieren können.
Schulinspektion: Qualität gemeinsam entwickeln
Auch bei der Weiterentwicklung der Schulinspektion muss die Perspektive von Eltern und Schülerinnen und Schülern systematisch berücksichtigt werden.
Qualitätsentwicklung funktioniert nicht ausschließlich über Kennzahlen und externe Betrachtung. Schule wird jeden Tag von den Menschen erlebt, die in ihr lernen, arbeiten und ihre Kinder begleiten.
Diese Erfahrungen gehören in die Bewertung und Weiterentwicklung schulischer Qualität.
Digitale Kommunikation endlich als Teil moderner Schule verstehen
Auch die Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus muss zeitgemäßer werden.
Die Elternkammer setzt sich deshalb weiterhin für verbindliche digitale Kommunikationsmöglichkeiten und angemessene Zugänge für Elternvertretungen ein.
Elternmitwirkung im Jahr 2026 darf nicht davon abhängen, ob Informationen über private Messenger, weitergeleitete E-Mails oder zufällig funktionierende Verteiler ankommen.
Datenschutz, Verlässlichkeit und Beteiligung müssen zusammengedacht werden.
Übergänge dürfen keine sozialen Selektionsmaschinen sein
Auch die Regelungen rund um den Übergang nach Klasse 6 und insbesondere die Abschulung vom Gymnasium bleiben für die Elternkammer ein wichtiges Thema.
Entscheidungen über Bildungswege haben enorme Auswirkungen auf Kinder und Familien. Sie müssen pädagogisch nachvollziehbar, transparent und fair sein.
Die Elternkammer wird deshalb weiterhin kritisch begleiten, ob die bestehenden Regelungen den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler tatsächlich gerecht werden.
Unser Auftrag für dieses Schuljahr
Hamburg verfügt über engagierte Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, Schulleitungen, Eltern und Schülerinnen und Schüler. Dieses Engagement kann politische und strukturelle Defizite jedoch nicht dauerhaft kompensieren.
Für das Schuljahr 2026/27 fordert die Elternkammer Hamburg deshalb:
- verlässliche Schulbegleitung und echte Inklusion,
- ausreichende personelle und finanzielle Ausstattung der Schulen,
- einen starken und verlässlichen Ganztag,
- pädagogisch verantwortbare Klassengrößen,
- funktionierende Rahmenbedingungen für das Schulschwimmen,
- verbindliche und frühzeitige Elternbeteiligung,
- eine Schulinspektion unter Einbeziehung der gesamten Schulgemeinschaft,
- zeitgemäße digitale Kommunikation und
- faire Bildungswege und Übergänge.
„Unsere Kinder haben genau dieses eine Schuljahr. Wir können ihnen nicht erklären, dass gute Lösungen vielleicht im nächsten Haushaltsjahr, nach der nächsten Evaluation oder nach der nächsten Strukturreform kommen. Was Kinder für gute Bildung brauchen, müssen wir ihnen dann zur Verfügung stellen, wenn sie zur Schule gehen – und das ist jetzt.“, so Simone Kohl.
Die Elternkammer Hamburg wird deshalb auch im neuen Schuljahr konstruktiv mit Politik, Verwaltung und Schulen zusammenarbeiten – und dort deutlich widersprechen, wo Entscheidungen zulasten von Kindern, Familien oder guter Bildung gehen.
Vorstand der Elternkammer Hamburg
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